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  • Roland Spitzegger

ICH FÜHLE – ODER: DER EMPATHISCHE FÜHRUNGSSTIL




Führungspersonen eines Unternehmens oder Teams sind maßgeblich dafür verantwortlich, wie motiviert, erfolgsorientiert und zufrieden jeder MitarbeiteR ist. Über Erfolg oder Niederlage entscheidet dabei oft der Führungsstil, also das Verhalten von Vorgesetzten gegenüber ihren Mitarbeitern. Einerseits ist er Teil der übergeordneten Unternehmenskultur und damit eines Kriterienkatalogs für Führungskräfte; andererseits ist er aber auch eine individuelle persönliche Ausprägung der Führungsperson selbst. Herrscht Deckungsgleichheit zwischen diesen beiden Faktoren, sind die Voraussetzungen gut – und genau das ist eine der großen Herausforderungen des Executive Searchers, wenn es darum geht, eine vakante Position in einem Unternehmen mit der richtigen Person zu besetzen. Nun gibt es natürlich nicht nur einen oder besser: den einen und richtigen Führungsstil. Grund genug, um hier eine kleine Serie zu starten, welche Stile im heutigen Management welche Rolle spielen. Den Anfang macht der empathische Führungsstil. Sein Leitsatz: ich fühle.

 

Empathie – eine kurze Begriffsabgrenzung

 

Empathie wird häufig unterschätzt, insbesondere, weil wir es einfach mit dem deutschen Wort „Mitgefühl“ übersetzen. Empathie ist rein psychologisch gesehen jedoch weit mehr und differenzierter zu betrachten. Ganz allgemein ist es die Fähigkeit, sich in andere Menschen und ihre Lebenssituation hineinzuversetzen und einfühlen zu können, ihre Motive zu erkennen und zu verstehen. Empathie ist demnach ein zwischenmenschlicher Prozess und hilft dabei zu erkennen, dass Menschen Hilfe brauchen und darauf angemessen zu reagieren.


Kognitive Empathie – Versetze ich mich rein gedanklich in die Situation und Gefühlswelt eines Menschen ohne eigene Emotionen zu entwickeln, also persönlich berührt zu sein, spricht man gewöhnlich von kognitiver Empathie.

 

Affektive Empathie – Fühle ich mit jemandem und spiegele dessen Emotionen unreflektiert, geht es um emotionale oder affektive Empathie.

 

Soziale Empathie – Die Gefühle des anderen erscheinen wie meine Gefühle, ganz unabhängig von der Situation, in der ich mich selbst befinde. Hier geht es darum, auf Mitgefühl Taten folgen zu lassen. Also sich nicht nur in einen anderen Menschen hineinzuversetzen, weil man seine oder ihre Lage kennt und nachvollziehen kann, sondern sein Mitgefühl auch zu zeigen, zum Beispiel durch aktives Zuhören, wertschätzende und fürsorgliche Worte oder eine zugewandte Körpersprache. Diese Form der Empathie ist für Führungskräfte besonders wichtig.

 

Was einen empathischen Führungsstil ausmacht ...

 

Ein empathischer Führungsstil beginnt bei uns selbst. Dazu gehören Achtsamkeit den eigenen Bedürfnissen gegenüber und Selbstwahrnehmung bzw. emotionale Selbstregulation, die uns hilft, überlegter zu handeln und bewusstere Entscheidungen zu treffen. Wer sich bewusst macht, wie man sich selbst in einer bestimmten Situation fühlt oder auf Herausforderungen reagiert, kann sich auch leichter in andere hineinversetzen und besser auf sie konzentrieren, ohne selbst ihre Gefühle zu „übernehmen”. Ein wertschätzendes und respektvolles Miteinander beginnt mit respektvoller Kommunikation.

 

Aktives Zuhören ist ebenso wichtig: sich auf seine Gesprächspartner konzentrieren und zu erkennen, worum es ihnen gerade wirklich geht oder wie es ihnen geht. Feedback sollte immer schnell erfolgen und vor allem konstruktiv und keinesfalls abwertend oder verletzend sein. Leistungen sollten anerkannt werden, selbst wenn sie noch besser hätten sein können. Vielleicht lag es ja an mangelnder Unterstützung. Zu respektvoller Kommunikation gehört auch, Entscheidungen transparent zu machen und denjenigen zuerst mitzuteilen, die sie betreffen.

 

Ein empathischer Führungsstil zeichnet sich demnach durch Soft Skills wie Einfühlungsvermögen, Kommunikationsfähigkeit und reflektiertem Konfliktmanagement aus. Empathisch zu führen, bedeutet ausdrücklich nicht, sich Konflikten zu entziehen oder diese nur zu vermeiden. Vielmehr stärkt es die Verbundenheit und das Vertrauen der Mitarbeiter in das Unternehmen, wenn sie erleben, dass man auch in Konfliktsituationen gut und respektvoll miteinander umgeht.

 

... und warum er so wichtig ist

 

Schon die Pandemie hat mit der Sorge um den Arbeitsplatz, arbeiten im Homeoffice bei gleichzeitiger Kinderbetreuung und dem Gefühl der Bedrohung durch das Virus zu vermehrtem Stress und bei vielen Menschen zu einer erhöhten Arbeitsbelastung geführt.

 

Hinzu kommt, dass wir uns nun in einem Konglomerat von Krisensituationen befinden, die selbst Mitarbeitern zu schaffen machen, die sonst als resilient und leistungsfähig gelten. Die postpandemischen Phänomene wie Inflation und geopolitische Instabilität tragen zu massiver Verunsicherung bei. Während die Älteren noch den Kalten Krieg und autofreie Sonntage in der Ölkrise erlebt haben und sich an gewisse Einschränkungen wenigstens erinnern können, ist das für jüngere Mitarbeiter, die nach 1989 geboren sind, gänzlich neu. Die Folgen sind drastisch.

 

Manchen Studien zufolge ist steht’s mit dem Betriebsklima vielerorts nicht zum Besten. Die Arbeitsbelastung über einen längeren Zeitraum steigt, der Ton wird rauer und der Umgang miteinander schwieriger. Die Folgen von Dauerbelastung sind Angst und emotionale Erschöpfung und das wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus. Die Anzahl an Fehltagen aufgrund psychischer Belastungen steigt, was Krankenkassen seit Jahren beobachten und in ihren Statistiken festhalten.

 

Stress wirkt nicht nur auf die Psyche, sondern auch auf den Körper. Häufige Folgen sind weniger und schlechter Schlaf, das Risiko für Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems steigt. Die allgemeine Belastbarkeit nimmt ab. Statt souverän und schnell die gewohnten Aufgaben zu erledigen, fühlten sich viele Mitarbeiter belastet und in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt.

 

Ein wertschätzender, höflicher und respektvoller Umgang miteinander sorgt nun einmal für ein besseres Klima und für weniger Konflikte. In der globalisierten Arbeitswelt, wo Teams auf verschiedenen Kontinenten miteinander arbeiten, aus verschiedenen Kulturen kommen und sich nur selten persönlich sehen, gilt das einmal mehr. Sich auf die Kollegen und Mitarbeiter einzustellen, um sie so gut wie möglich zu unterstützen ihr Bestes geben zu können, ist für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidend.

 

Natürlich bietet der empathische Führungsstil auch Spielraum für Missverständnisse. Die grundsätzliche Gefahr bezüglich Empathie liegt in falschen Erwartungen, die durch die simple Deutung des Begriffs als Mitgefühl geweckt werden. Empathisch zu reagieren, insbesondere als Führungskraft, bedeutet nicht, schlechtes Benehmen hinzunehmen, sich emotional unter Druck setzen zu lassen oder die Probleme anderer für sie zu lösen.


Fazit: Der empathische Führungsstil liegt voll im Trend der Zeit und gewinnt immer mehr an Bedeutung, auch wenn dies von Branche zu Branche variiert. Wertschätzung und Kommunikation auf Augenhöhe sind Anforderungen, die besonders die jüngeren Generationen mittlerweile für unerlässlich erachten. Auch wenn der Weg zu einem empathischen Unternehmen mitunter steinig ist, so lohnt er sich doch mittel- bis langfristig – denn Mitarbeiter entwickeln eine hohe Loyalität zu ihren Führungskräften und Teamkollegen, was wiederum der Bindung ans Unternehmen zuträglich ist und jede Menge Fluktuationskosten spart.

 

 

 

 

 

 

 

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Die auf dieser Website gewählte generisch-männliche Form bezieht sich immer auch auf weibliche und diverse Personen.

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